David Klemm, Head of Acceptance Development Germany bei Mastercard erläutert im Gespräch mit der Redaktion die Kreditkarten der nächsten Generation und die Vorteile beim Bezahlen per Selfie.

 

 

 Herr Klemm, wie hat die digitale Transformation und die Digitalisierung Ihr Unternehmen und damit die Entwicklungen von Payment Services bisher beeinflusst?

 

Angesichts der Entwicklungen im Online-Handel und mobiler Bezahlverfahren haben wir bei Mastercard die Weichen längst in Richtung Zukunft gestellt. Die Zukunft des Bezahlens und die Zukunft des Handels/Einkaufs, also der Bezahlerlebnisse und Einkaufserlebnisse, sind für uns nicht trennbar. Als Technologieunternehmen sitzen wir im Zentrum der Abwicklung von Online-Transaktionen des Handels, was durch unsere Entwicklungen im Kontext von Apple Pay, Android Pay, Masterpass und den anderen digitalen Wallets deutlich wird. Die Zukunft des Bezahlens geht vor dem Hintergrund der digitalen Transformation dahin, dass Kreditkarten der nächsten Generation vor allem digitale Versionen in Smart-Devices sein werden.

Wenn man sieht, was Mastercard mit Apple Pay, Android Pay, Masterpass und den ganzen digitalen Wallets macht, erkennt man, dass wir uns an dieser Stelle darauf vorbereiten, dass es eine Welt ohne (Plastik-)Kreditkarten geben wird. Eine Welt, in der nur noch digitale Versionen von Kreditkarten in Smart-Devices existieren.

 

Wie wird die Evolution tradierter Kreditkarten hin zu Mobile Apps und den mobilen Bezahlverfahren vorangehen?

 

Klemm: Die Karte in Form eines digitalen Tokens wird in Zukunft immer mehr in Mobile Apps eingesetzt werden.

Momentan zeichnen sich zwei Szenarien ab: Entweder der Kunde bezahlt über die App eines der Giganten, Google, Apple & Co, oder er setzt mobile Apps seiner Hausbank bzw. seines Kartenemittenten ein.

Aber ganz egal ob nun eine Bank oder Sparkassen-App, Apple Pay,Android Pay oder Samsung Pay für die Abwicklung von Mobile Payments eingesetzt wird, wir unterstützen alle Lösungen. Wir setzen hier auf Wahlfreiheit. Letztendlich entscheidet der Kunde.

 

Wie einfach und sicher kann heute der Zahlungsprozess im Kontext von mobilen Bezahlmöglichkeiten sein?

 

Einfachheit selbst ist ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsfaktor. Mit einem einfachen Sicherheitssystem kann man verhindern, dass Sicherheit zugunsten der Bequemlichkeit vernachlässigt wird. Dabei ist Sicherheit ein dauerndes Wettrüsten mit Betrügern, die immer schlauer werden und denen man immer einen Schritt voraus sein muss. Die mobilen Verfahren haben den Vorteil, dass man Biometrie zum Einsatz bringen kann. Biometrie bietet die Möglichkeit, das Dilemma des Verbrauchers aufzulösen, dass er sich zwischen hoher Sicherheit und Bequemlichkeit entscheiden muss. Mittels Biometrie, der Authentifikation per Selfie oder Fingerabdruck, habe ich ein hochsicheres System, das auch noch wesentlich bequemer zu benutzen ist als ein komplexes Passwort mit Zahlen und Sonderzeichen. Da die Verbraucher, wie eine von uns vor Kurzem veröffentlichte Studie belegt, immer mehr digitale Services fordern, werden diese Faktoren immer wichtiger: Beispielsweise für Verkehrsbetreibe, die jetzt ein großes Interesse daran haben, mehr digitale statt Papiertickets zu verkaufen. Wir unterstützen Unternehmen dabei mehr solcher digitalen Services anzubieten. Das Kaufen bzw. das Belasten des Mastercard-Kontos zum Erwerb eines Tickets kann beispielsweise sicher und einfach per Fingerabdruck in einer App geschehen.

 

 

Was hat es mit Ihrer Plattform Qkr auf sich? Welche Mehrwertservices werden dadurch möglich und sind die Angebote bereits für den deutschen Markt verfügbar? 

 

Qkr ist eine Plattform, ursprünglich aus dem Bereich Gastronomie, die den Bestellvorgang per Mobiltelefon ermöglicht. Mit ihr kann der Kunde etwa im Fußballstadion seine Bratwurst bequem auf der Tribüne bestellen, anstatt sich in der kurzen Pause in eine lange Schlange einzureihen. Das System ist inzwischen häufig in der Systemgastronomie im Einsatz, in Europa besonders in England. Hier kann der Kunde am Tisch selbstständig seine Bestellung über eine App tätigen und auch gleich bezahlen. Gerade zur Rushhour, wenn er schnell sein Mittagessen einnehmen will, muss er nicht mehr warten, bis der Kellner mit der Rechnung kommt. Es wird sozusagen ein schnellerer Durchlauf erzielt. Ähnlich wie beim Fahrkartenkauf werden auch hier die Prozesse soweit wie möglich digitalisiert und Bargeld durch die Digitalisierung abgelöst. Qkr ist derzeit noch nicht in Deutschland verfügbar, aber wir arbeiten daran.

 

 

Wie treiben Sie unternehmensintern die Forschung hinsichtlich neuer kunden- und servicefreundlicher Entwicklungen und Technologien im Kontext mobiler Zahlungsverfahren voran?

 

Wir sehen Innovation als dauernde und ständige Aufgabe für uns alle im Unternehmen. Konkret bedeutet das, Prozesse zu generieren, Ideen auszuprobieren und, wenn möglich, zur Marktreife zu bringen, wie z.B. Qkr.

Als globales Unternehmen haben wir erkannt, dass es dabei sinnvoll ist, die verschieden Regionen und Kulturen der Welt zu berücksichtigen und einzubeziehen. Deshalb gibt es Mastercard Labs, unsere Forschungseinrichtungen, eben nicht nur in New York, sondern auch in Dublin oder Singapur. Inzwischen gibt es Mastercard Labs sogar in Kenia, weil in Afrika im Moment zunehmend innovative Entwicklungen stattfinden. Gerade auch was den Bereich Payments und FinTech angeht.

 

Wie wird sich Ihrer Meinung nach das Einkaufsverhalten in Zukunft im Kontext von Automatisierung für Kunden und Händler entwickeln?

 

Einkäufe werden sich aufteilen in Erlebniseinkäufe und Einkäufe, die der reinen „Nachschubversorgung“ dienen. Wenn es darum geht, meine Bestände wieder aufzufüllen, wie z.B. im Bereich der wöchentlichen Lebensmitteleinkäufe, dann ist es durchaus denkbar, dass das in naher Zukunft immer mehr automatisiert abläuft. Selbstlernenden Systemen bringen wir bei, was wir gerne essen oder was wir samstags immer einkaufen. Das System setzt dann entsprechend die Bestellungen für mich im Internet ab und mir wird diese vor die Tür geliefert.

Händler müssen daher in Zukunft ganz anders funktionieren. Sie werden mit uns nicht mehr über den Sonderangebotsprospekt im Briefkasten kommunizieren, sondern müssen auf dem Smartphone präsent sein. Betrachtet man die großen Discounter, erkennt man, dass diese bereits begonnen haben,verstärkt in der digitalen Lebenswelt präsent zu sein.

 

Was wird mit den großen Marken in diesem Kontext passieren?

 

Die müssen sich ganz neuerfinden. Bisher ist das Vertrauen in eine Marke ein entscheidender Faktor. Wenn aber jetzt ein System für mich einkauft, dann kommen ganz andere Entscheidungen zum Tragen, um zu bestimmen, wer mich in Zukunft beliefert. Anders als Menschen ist ein Roboter den Google programmiert hat, nicht emotional. Er lässt sich nicht beeindrucken davon, dass das Kotelett in der Bauernlandschaft von Schleswig-Holstein dargestellt wird. Er schaut erst mal wie hoch der Preis pro Kilo ist. Wenn der Händler bisher sein Geschäft gemacht hat, indem er sich emotional positioniert hat – mit entsprechenden Dekorationen und Warenpräsentationen – dann will er natürlich verhindern, dass die Maschine ihre Entscheidung nur über den Preis steuert. Er wird auch in Zukunft versuchen, möglichst gute Margen zu erzielen und mit uns als Konsumenten ein möglichst gutes Geschäft zu machen. Damit das geschehen kann, muss der Kunde der Maschine andere Präferenzen mitteilen, über welche der Händler sich dann positionieren kann. Beispielsweise über die Region, das Schlagwort „Bio“ oder Loyalty-Programme. Er braucht entsprechend digitale Systeme, die der Handelsmarke einen Vorteil gegenüber Wettbewerbern beschaffen.

 

Sehr geehrter Herr Klemm, vielen Dank für das Interview!

 

weitere Informationen:

Mastercard Europe SA

Plattform Qkr

zum exklusiven Beitrag: Die virtuelle Plastikkarte

Aufmacherbild / Lizenz / Quelle

Mastercard Europe SA

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