Im Zeitalter der Energiewende wird Strom aus erneuerbaren Energien im­mer wichtiger: Das haben Politik, Wirt­schaft, aber zunehmend auch die Ver­braucher erkannt. In puncto Solarstrom existieren bereits überzeugende Geschäftsmodelle für Unternehmen, Investoren und Verbraucher.Im Interview mit der TREND-REPORT-Redaktion gibt Konstantin Strasser, Geschäftsführer MEP Werke GMBH, Auskunft darüber.

Herr Strasser, wie einfach kann heute der Einstieg in die eigene Photovoltaik-Anlage sein?
Mit den MEP Werken einfacher denn je. Bei unseren Miet-Solaranlagen bekommt der Kunde für einen fixen, monatlichen Mietpreis nicht nur eine genau auf seine Bedürfnisse abgestimmte Photovoltaikanlage auf sein Dach. Er bekommt auch den vollen Service, wie selbstverständlich die genaue Planung und sichere Montage, aber darüber hinaus auch Wartung, Instandhaltung und Versicherung der Anlage. Er muss sich also um nichts kümmern.

Welche Vorteile haben in diesem Kontext Ihre Mieter und wie lange müssen sie sich binden? 
Gerade durch das Rundum-sorglos-Paket, wie wir es nennen, bekommt der Kunde ja alles, was man für einen sicheren, langfristigen und ertragreichen Betrieb einer Solaranlage benötigt. Neuerdings haben wir sogar einen Messstellenbetrieb, der den Zählerkasten vor Ort in einen Zweirichtungszähler austauscht, dass also Strom bei Bedarf ins Netz eingespeist, aber auch wieder herausgenommen werden kann. Durch diesen Service hat der Kunde eine sehr viel geringere Wartezeit als zum Beispiel beim Austausch des Zählers über das EVU und kann so seine Anlage viel schneller in Betrieb nehmen. Die regelmäßige Wartung alle vier Jahre trägt dazu bei, dass die Anlage reibungslos läuft und das ganze Potential ausgeschöpft werden kann. Hinzu kommt eine Versicherung durch die Allianz, womit wir über den gesamten Mietzeitraum, also 20 Jahre lang versichern –  weit über die Lebensdauer mancher Bestandteile. Bei uns werden defekte technische Geräte oder andere Verschleißteile einfach ausgetauscht, ohne dass sich der Mieter um die Beauftragung eines Handwerkers kümmern muss. All das übernehmen wir für ihn.  Zudem ist durch seine gleichbleibende, also nicht-indexierte Miete über den Zeitraum von 20 Jahren ein erheblicher Anteil seiner Stromkosten sozusagen eingefroren. Prognostizierte Strompreissteigerungen, die es mit Sicherheit in den kommenden Jahren durch AKW-Rückbau, Endlagerung etc. geben wird, treffen unsere Mieter in viel geringerem Maße.

Welche Möglichkeiten bietet Ihr Modell für institutionelle Investoren?
Mit unseren Green Bonds ermöglichen wir institutionellen Investoren sich langfristig an einer grünen Investition zu beteiligen. Die 20-jährigen Mietforderungen passen dabei ideal zum Anlagehorizont von Pensionsfonds, Versicherungen und Ähnliche, die häufig langfristige Zahlungsverpflichtungen gegenüber ihren Anlegern beziehungsweise Versicherungsnehmern haben. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind wir zudem davon überzeugt, dass wir eine sehr attraktive Rendite für institutionelle Investoren in Aussicht stellen können.
Derzeit strukturieren wir ein Secured Term Note Emissionsprogramm mit insgesamt vier Tranchen und einem Gesamtvolumen von 100 Millionen Euro. Dieses emittiert Inhaberschuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren, welche mit den Zahlungen aus einem Portfolio von PV-Mietforderungen besichert sind. Hierbei wird es sich um ein in Europa einzigartiges und neuartiges Green-Investment-Produkt handeln, das durch zuverlässige, granulare und geografisch diversifizierte Zahlungsströme aus einem Portfolio von Mietforderungen gekennzeichnet ist.
Um für Investoren unmittelbar kenntlich zu machen, dass es sich um eine grüne Anlagemöglichkeit handelt, lassen wir die Finanzierungsstruktur momentan von der Nachhaltigkeitsratingagentur oekom research AG gegen die Climate Bonds Standards v2.0 verifizieren. Im Anschluss wird das Secured Term Note Programm anhand dieser Verifikation von der Climate Bonds Initiative als Labelled Green Bond zertifiziert. Damit wollen wir den Due Diligence Prozess für interessierte Investoren vereinfachen und garantieren damit verbindlich, dass die eingeworbenen Mittel wie geplant verwendet werden, das heißt, dass kein Green Washing betrieben wird. Mit dieser Finanzanlage schaffen sich also institutionelle Investoren neue Möglichkeiten und Chancen nicht nur für eine attraktive Rendite, sondern auch für ein nachhaltiges Image und fundierte Belege für ihr eigenes Nachhaltigkeitsmanagement , auch im Hinblick auf die CSR-Berichtspflicht ab 500 Mitarbeitern.

„Die MEP Werke sind nicht nur Vorreiter, sondern mit 2 000 Mietkunden auch Marktführer auf dem Solaranlagen-Mietmarkt“, so Konstantin Strasser.
„Die MEP Werke sind nicht nur Vorreiter, sondern mit 2 000 Mietkunden auch Marktführer auf dem Solaranlagen-Mietmarkt“, so Konstantin Strasser.

Welcher modernen Finanzierungsinstrumente haben Sie sich bedient und welche Risiken und Chancen kommen auf Ihre Investoren zu?
Wir finanzieren das Wachstum des PV-Mietforderungsportfolios aktuell über eine kurzfristige Wareneinkaufsfinanzierung durch einen Senior Lender sowie durch verschiedene Formen von Mezzaninen bzw. Nachrangkapital, u. a. Kommanditbeteiligungen, Nachrangdarlehen und Crowdfunding.
Was die Chancen und Risiken angeht, stellen wir zum einen durch unsere strengen Annahmekriterien sicher, dass ausschließlich Kunden mit hoher Bonität in den Forderungspool aufgenommen werden und unsere extrem niedrigen Verzugs- und Ausfallquoten bestätigen dies bisher. Dennoch bestehen natürlich Risiken im Zusammenhang mit einer Investition, die sich vor allem daraus ergeben, dass es sich um ein in Europa neuartiges Investmentprodukt mit einer sehr langen Laufzeit und begrenzten historischen Daten handelt, vor allem in Bezug auf Zahlungsverzüge beziehungsweise -ausfälle. Um dieses Risiko transparenter darzustellen, haben wir die BaFin-akkreditierte Ratingagentur Euler Hermes beauftragt, eine vorbereitende Analyse vorzunehmen, die wir potentiellen Investoren zur Verfügung stellen können. Weiterhin besteht bei einer 20-jährigen Laufzeit auch ein gewisses Ausfallrisiko des Servicers, der das Portfoliomanagement für den Emittenten durchführt. Deshalb haben wir langfristige Verträge mit einem Financial- und einem O&M Back-up-Servicer geschlossen, die den Servicer reibungslos ersetzen, sollte dieser ausfallen. Beide gehören jeweils zu den größten und kreditwürdigsten deutschen Unternehmen in ihrem Markt.

Herr Strasser, wie haben Sie das Energiespeicherproblem für PV-Anlagenmieter gelöst?
Aktuell erarbeiten wir ein Modell, das es uns erlaubt, unseren Mietern eine Lösung zur Speicherung ihrer selbstproduzierten Energie anzubieten. Mit einem handelsüblichen Energiespeicher würde uns das bei der aktuellen Marktlage kostentechnisch noch nicht gelingen. Das Produkt werden wir im vierten Quartal launchen.

Was bieten Sie Mietern von PV-Anlagen an, die ihren Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken wollen?
Seit Anfang des Monats bieten wir unseren Kunden in Kooperation mit Mark-e, einer Tochtergesellschaft der ENERVIE, einem der größten Energiedienstleistungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen, einen grünen Stromtarif an, mit dem der Mieter seinen Strom schlussendlich zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen kann, also zum einen mit dem Solarstrom aus seiner Anlage und zum anderen mit dem Strom aus seinem grünen Stromvertrag . Dieser Vertrag ist speziell auf einen geringeren Stromverbrauch abgestimmt, da er einen geringeren Grundpreis und dafür einen etwas höheren Stundenpreis als andere Tarife hat. Aktuell sind wir übrigens mit weiteren Stadtwerken und Energieversorgern, wie der TauberEnergie Kuhn, in ganz Deutschland in Kooperationsgesprächen, für die unser Mietmodell neue Möglichkeiten zur Erweiterung ihres Produktportfolios bietet.

Welche Rolle im nationalen Solar-Mietmarkt nehmen Sie ein?
Mit unserem PV-Mietmodell als Gesamtpaket waren wir in Deutschland Vorreiter. Wir können nun, nach mehr als drei Jahren Praxis in diesem Segment, mit ein wenig Stolz sagen, dass wir mit 2.000 Mietkunden Marktführer auf dem Solaranlagen-Mietmarkt sind. Nach Berechnungen der Finanzdatenagentur Bloomberg fehlen bis 2040 noch gut fünf Billionen Dollar, um das Zwei-Grad-Ziel der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen zu erreichen. Gemeinsam mit unseren Finanzierungspartnern ist es uns nun gelungen, eine völlig neuartige Finanzstruktur zur Vorfinanzierung unserer Anlagen zu schaffen, die exemplarisch für den deutschen Solarmietmarkt ist. Diese grüne Geldanlage ist auf ihre Weise aktuell einzigartig in Europa. Damit machen wir für unser Marktsegment den Anfang zu einer nachhaltigen Finanzierung der Energiewende und zum Erreichen der Klimaziele, damit wir in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft  und mit vereinten Kräften die Investitionssumme von fünf Billionen Dollar in eine lebenswerte Zukunft für die nachfolgenden Generationen

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